Schindlers Liste

ANSPRUCH:   

****

TITEL: 

Schindlers Liste

SPANNUNG:   

***

ENTSTEHUNGSLAND: 

USA

ACTION:        
ERSCHEINUNGSJAHR: 

1993

HUMOR:         
REGIE: 

Steven Spielberg

EROTIK:          

*

DARSTELLER: 

Liam Neeson

Ralph Fiennes

Ben Kingsley

Caroline Goodall

GEWALT:        

***

LÄNGE: 

195 Minuten

GENRE:            

Drama

DEUTSCHER KINOSTART: 

3. März 1994

ALTERSFREIGABE:  

F.S.K. 12

INTERNETSEITE: 

http://www.universalstudiosentertainment.com/schindlers-list-1/

 Schindlers Liste Kinoplakatmotiv

WERTUNG:

Der Daumen hoch

Dieser Film könnte ihnen gefallen, wenn sie

DAS LEBEN IST SCHÖN von und mit Roberto Benigni und die neuneinhalbstündige Dokumentation SHOAH von Claude Lanzmann mochten.

 

 

 

Inhalt

Polen 1939:

Die wohl düsterste Epoche des zwanzigsten Jahrhunderts beginnt sich wie ein Virus über ganz Europa auszubreiten. Im Schatten der Aufrüstung und des beginnenden Krieges wittern Geschäftsleute den ganz großen Gewinn. Unter ihnen ist auch der Industrielle Oskar Schindler. Mit dem Einmarsch der deutschen in Polen ist auch er nach Warschau gekommen, wo ihm eine von Juden beschlagnahmte Emaillewarenfabrik zugeteilt wird. Als einer von ganz wenigen ist Schindler seinen jüdischen Zwangsarbeitern wohl gesonnen. Zwar benutzt er sie, um mit ihnen enorme Gewinne einzufahren, jedoch finden seine insgesamt 1100 Arbeiter auch Schutz in seinen Hallen. Gemessen am benachbarten Gefangenenlager Plaszow, welches unter der Leitung des sadistischen Obersturmbannführers Amon Göth steht, ist Schindlers „Emalia“ ein geradezu himmlischer Ort. Nach und nach wird der profitorientierte Oskar Schindler zum Retter und zur Hoffnung von über tausend Totgesagten.

 

Kritik

Ein ambitionierteres Projekt hätte man vermutlich kaum wählen können.

Der preisgekrönte Roman des australischen Autors Thomas Keneally verlangte nach einem sensiblen und mit der NS-Thematik vertrauten Regisseur. Beide Merkmale wurden von Steven Spielberg erfüllt. Mit Filmen wie 1985 dem Südstaatendrama „Die Farbe Lila“ und 1987 dem unterbewerteten Kriegsfilm „Das Reich der Sonne“ hatte der vormals eher für kommerzielleres Kino wie der „Indiana Jones“-Trilogie und „E.T.- Der Außerirdische“ bekannte Spielberg bereits hinlänglich bewiesen, dass er eine erwachsene Seite besaß.

Zudem selbst Jude, sah er in Keneallys Buch eine Möglichkeit, den Menschen die Vergangenheit durch seine Augen zu zeigen. „Schindlers Liste“ ist Spielbergs ganz persönlicher Versuch, den Holocaust zu verstehen, ihn aufzuarbeiten und letztendlich selbst zu verarbeiten. Dies auf eine Weise zu tun, bei der Millionen von Menschen mit an seiner Reise teilnehmen können machte „Schindlers Liste“ zum „wohl beeindruckendsten Zeugnis vom Kampf Einzelner gegen den Naziterror“ (Die Welt).

Obwohl der Film einen dokumentarischen Charakter besitzt, bleibt der fiktive Part niemals auf der Strecke. Der Spagat zwischen korrekter Darstellung historischer Fakten und dem künstlerisch, erzählerischen Teil ist perfekt bewältigt worden.

Obwohl „Schindlers Liste“ die erste Kollaboration zwischen Spielberg und dessen späterem Stammkameramann Janusz Kaminski (u.a. „Der Soldat James Ryan“) darstellt, wirkt das Ballett aus Schauspielführung und den Einstellungen der Kamera unglaublich gut. Durch die eindringlichen und kontrastreichen Schwarz-Weiß Bilder erhält der Film eine zeitlose Note.

Selbst als erfahrener Zuschauer kann man beim Betrachten praktisch nicht einschätzen, welcher Epoche der Filmgeschichte Spielbergs Werk entstammt. So war, ist und wird „Schindlers Liste“ nicht nur inhaltlich, sondern auch filmästhetisch immer aktuell sein.

Ebenfalls liegt hier ein Beweis für die Wandlungsfähigkeit des Regisseurs vor. Stets als kommerzielles Kind Hollywoods verschrien, hat er diesmal sämtliche cineastischen Spielzeuge zu Hause gelassen. Ohne riesigen Technocrane, ohne Effekthascherei und ohne Panavision machte sich Spielberg stattdessen mit Handkameras von Arri ans Werk.

Einmal abgesehen von Hofkomponist John Williams und Hofcutter Michael Kahn, gibt es kaum Indizien für sein Mitwirken. Zwar drückt der Regisseur seinen Stempel auf, jedoch scheint es ein gänzlich anderer zu sein als zuvor. Schauspielerisch ist „Schindlers Liste“ ein Musterbeispiel für gutes Casting. Liam Neeson blüht in seiner ersten großen Rolle auf und beeindruckte damit nicht nur Kritik und Publikum, sondern auch die Academy. Eine Nominierung für den Oscar als bester Hauptdarsteller war das Ergebnis.

Seine Darstellung der Figur Oskar Schindlers unterscheidet sich nicht nur durch das amerikanisierte Ende von der Beschreibung in Keneallys Roman. Im Film wird gleich zu Beginn sonnenklar, dass Schindler kein Heiliger ist, sondern in erster Linie ein geborener Kapitalist und Geschäftsmann. Im Roman hingegen ist er ein NSDAP Mitglied, dass sich jedoch keinesfalls mit den Idealen des NS- Staates indentifiziert. Außerdem fast er viel früher den Entschluss, sich für die Juden einzusetzen. Das Spielberg ihn als Oportunisten anstatt Idealisten darstellt, zeigt, wie ernst es ihm mit der Glaubwürdigkeit des Filmes war. Mit diesem Zug schwimmt er ganz klar gegen die Strömung Hollywoods. Ebenso wurde auf Schindlers im Buch thematisierte, komplizierte Beziehung zu seinem Vater verzichtet, da diese von der Hauptthematik unnötig abgelenkt hätte. Einziger Vorwurf, den man eventuell dem Film machen könnte, wäre die Tatsache, dass Schindlers Ehefrau kaum vorkommt. Laut noch lebenden Freunden von Schindlers Gattin und auch Schindler selbst, war sie letztendlich ebenso stark wie ihr Mann und unterstützte dessen Vorhaben, seine Arbeiter zu retten wo es nur ging. Relativiert wird dieser Vorwurf, wenn man bedenkt, dass es sich um die Verfilmung von Keneallys Roman handelt, in welchem wiederum nur in den letzten Kapiteln genauer auf Schindlers Frau eingegangen wird und ihr größter Verdienst vorher daraus besteht, ihren Mann nicht zu verlassen, obwohl dieser sogar unter ihren Augen seine diversen anderen Beziehungen weiter unterhält. Cineastisch betrachtet war auch diese Entscheidung klug, da es zu viel für einen Film geworden wäre, der sowieso schon 195 Minuten dauert, auch noch diese Geschichte zu erzählen. Das Verhältnis zwischen Oskar Schindler und Amon Göth, dem sadistischen Obersturmbannführer und Leiter des Gefangenenlagers Plaszow, das sich in der Nähe von Schindlers Fabrik befand wurde ebenso an die Bedürfnisse des Mediums angepasst. Während Schindler ihn im Buch von Anfang an verabscheut und ihm aus wirtschaftlichem Interesse eine Freundschaft vorgaukelt, scheint er im Film eher so etwas wie Mitleid für ihn zu empfinden. Vor dessen jüdischer Haushälterin Helene Hirsch relativiert Schindler Göths Verhalten sogar mit der Begründung, dass dieser sie nur schlagen würde, weil er mit seiner Zuneigung ihr gegenüber nicht anders umgehen könne. „normalerweise ist er ein freundlicher Mann, der gutes Essen und schöne Frauen schätzt“. „und morden“ fügt Itzhak Stern passend hinzu. Im Film ist er ein faszinierender Charakter, der stellenweise sogar sympathisch wirkt, wenn er, wie ein Schuljunge, von Schindlers Auftreten hingerissen, dessen Rat befolgt. Leben eingehaucht bekommt Amon Göth von Ralph Fiennes, der hier die beste Leistung von allen Akteuren im Film, sowie die beste seiner gesamten Karriere abliefert. Das durch und durch diabolische in eine weltmännische Hülle zu verpacken ist ein Kunststück, welches ihm bravourös gelungen ist. Zumindest eine Nominierung war das der Academy wert. Im Gegensatz zum ebenfalls genialen Ben Kingsley, der den jüdischen Buchhalter Stern verkörpert. Er ging bei den Oscars gänzlich leer aus, zu Unrecht. Beide hätten ihn verdient gehabt. Nicht nur verdient, sondern ihn bekommen, hat ihn John Williams. Sein musikalischer Beitrag zu „Schindlers Liste“ funkelt sogar zwischen den 45 !!! Nominierungen und fünf Auszeichnungen mit dem Academy Award hervor. Er ist ein weiteres Crewmitglied, dass hier sein Opus Magnum abliefert. Die für Williams typische, leitmotivreiche Komposition wird von den Violinensolos des israelischen Stargeigers Itzhak Perlman veredelt. Später kollaborierten die beiden abermals für „Sieben Jahre in Tibet“ und „Die Geisha“. Der Score zu „Schindlers Liste“ ist vermutlich der emotionalste und mitreißendste Score der jemals für einen Film komponiert wurde. Es ist geradezu lächerlich, dass Spielberg von einigen nach diesem und weiteren Filmen, wie „Der Soldat James Ryan“ und „München“ noch immer als rein kommerzielles, großes Kind Hollywoods betitelt wird. Er hat von Komödien, über Abenteuerfilme, bis hin zu Dramen alles gemacht, was man im Filmgeschäft machen kann und das stets mit Perfektion. Jeder noch so angesehene Regisseur hat mindestens einmal danebengegriffen. Spielberg ist da zwar keine Ausnahme, jedoch ist eine Bilanz von 25 Kinofilmen (bis Ende 2008) und lediglich zwei Fehltritten („1941- Wo bitte geht`s nach Hollywood“ und „Always“) mehr als für sich sprechend.

Mag er auch mit Suspensekino und Blockbustern seine Kariere begründet haben, so muss man bedenken, dass er den ersten wirklichen Blockbuster („Der weiße Hai“) drehte und somit ein neues Zeitalter in Hollywood einläutete. Inszeniert man kommerzielle Kunst mit einer solchen Perfektion wie Spielberg, so kann man das Wort „Mainstream“ nicht als Schimpfwort, sondern als Ehre empfinden. Objektiv betrachtet ist und bleibt er der einflussreichste und bedeutendste Regisseur und Produzent des New Hollywood.

 Johannes Scholten

 FAZIT Spielbergs Werk ist mehr als „nur“ ein Meisterwerk, es ist ein Mahnmal, das von Millionen gesehen wurde. Weitaus Effizienter als jede Holocaust Gedenkstätte dieser Welt.

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Veröffentlicht am 13. Juli 2011, in German Reviews. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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