The Tree of Life

ANSPRUCH:  

****

TITEL:  

The Tree of Life

SPANNUNG:  

***

ENTSTEHUNGSLAND: 

USA

Italien

ACTION:  ERSCHEINUNGSJAHR:  

2011

HUMOR: REGIE:  

Terrence Malick

EROTIK:  DARSTELLER:  

Brad Pitt

Jessica Chastain

Sean Penn

Hunter McCracken

GEWALT:  

*

LÄNGE:  

138 Minuten

GENRE:

Drama

Science Fiction

DEUTSCHER KINOSTART:  

16. Juni 2011

ALTERSFREIGABE:  

F.S.K. 12

INTERNETSEITE:  

http://www.foxsearchlight.com/thetreeoflife/

 The Tree of Life Kinoplakatmotiv

WERTUNG:

Der Daumen schräg nach oben

Dieser Film könnte ihnen gefallen, wenn sie2001: ODYSSEE IM WELTRAUM von Stanley Kubrick mochten.

 

 

 

 

Inhalt

Die Geschichte von Jack ist geprägt von seinem Vater.

In jungen Jahren, versuchte dieser ihn mit zwanghafter Besessenheit zu einem Gewinner heranzuziehen. Liebe gab es nur zweckgebunden, als Belohnung für Erfolge.

Als Erwachsener hat Jack noch immer nicht verarbeitet, was ihm sein Vater unwissentlich angetan hat. Vollkommen desillusioniert und unfähig zur Integration in die Gesellschaft, versucht Jack sein Leben neu zu ordnen und beginnt dabei alles zu hinterfragen, bis hin zum Sinn seiner und der Existenz allen Lebens…

 

Kritik

Traditionsgemäß lange, sehr lange, hat es gedauert, bis Ausnahmeregisseur Terrence Malick sein neuestes Werk der Öffentlichkeit zugänglich machte. Malicks Filmographie ist wohl ebenso außergewöhnlich, wie sein Schaffen selbst. Fünf Kinofilme in 38 Jahren, eine mehr als minimalistische Bilanz, die allenfalls von Charles Laughton getoppt wird und der hat mit „Night of the Hunter“ lediglich einen Film gedreht. Jeder von Malicks Titeln ist für sich genommen ein Meisterwerk. Jeder trägt Malicks unvergleichliche Handschrift, bestehend aus atemberaubenden Landschaftsaufnahmen, die die Natur selbst zum Protagonisten werden lassen und einer Stimme aus dem Off, die das Geschehen kommentiert oder aber schlicht erzählt und damit die traumhaften bzw. alptraumhaften Bilder untermalt.

Oft scheint es, als würde der Regisseur seine Kamera schlicht auf einen realen Vorgang richten und so ein Stück Leben einfangen und auf die Leinwand bannen, auch wenn dieser Moment noch so abstrus ist, etwa wenn ein Dinosaurier auf einen Artgenossen trifft.

Es ist immer wieder die gleiche Aussage, „liebe deinen Nächsten, liebe überhaupt irgendjemanden oder irgendetwas und denke stets daran, dass die Natur allumfassend und für die Ewigkeit bestimmt ist“.

Noch nie wurde diese Aussage so deutlich vermittelt, wie in „The Tree of  Life“. In Bildern, die durch ihre abgöttische Schönheit faszinieren und fast schon psychedelisch anmuten, fängt Kameramann Emmanuel Lubezki („Children of Men“) eine einzigartige Atmosphäre ein. Man wird förmlich erschlagen von der visuellen Flut, wird überrumpelt und begreift erst im Nachhinein deren ganzes Ausmaß. Man klammert sich verzweifelt an die, im Grunde, nebensächliche Handlung, versucht sich das Ganze auf einer rationalen Ebene erklärbar zu machen, wird jedoch von Bildern mitgerissen, weit größer als alles irdische. Wir sehen die Entstehung der Welt, Malick erklärt das Verhalten der Protagonisten und das Verhalten von uns allen, indem er zu den Ursprüngen zurückgeht und zeigt, wie alles entstanden ist. Fast schon größenwahnsinnig erscheint der Anspruch des Regisseurs, das Leben selbst zu veranschaulichen , zu erklären und letztendlich zu rechtfertigen und doch, irgendwie schafft er es.

„Man könnte jedes Frame einzeln drucken und rahmen“, soll Scorsese einmal über Malicks „Days of Heaven“ gesagt haben. In vielen Szenen gilt dies wohl auch für „The Tree of Life“.

Ähnlich wie bei „Days of Heaven“, ist auch hier der Kamerastil als experimentell zu bezeichnen. Perspektiven werden gebrochen und andere visuelle Klischees einfach umgeworfen, alles ist möglich. Es dauert ein wenig, bis man sich an die „umgeworfenen Bilder“ und den massiven Einsatz von Handheld-Kameras, die übrigens durch Steadycam-Operator Jörg Widmer von deutscher Hand geführt werden, gewöhnt hat.

Auch wenn die Schauspieler in diesem Film allesamt gut sind, so erblassen sie doch im Angesicht der visuellen Opulenz. Schon bei „Days of Heaven“ hatten Richard Gere und Brooke Adams mit diesem Problem zu kämpfen.

Mit Brad Pitt und Sean Penn hat Terrence Malick zwei Garanten für, zumindest ein paar Zuschauer hinzugezogen. Experimentelles und vom Mainstream abgeneigtes Kino mit Schauspielern von internationalem Kaliber zu veredeln, ist eine Strategie, mit der auch Lars von Trier regelmäßig erfolgreich um die Gunst der Verleiher buhlt.

Da der Großteil von „The Tree of Life“ in der Vergangenheit spielt, lastet auch die größte schauspielerische Last auf den Schultern von Brad Pitt und Jessica Chastain. Die machen ihren Job hervorragend, ebenso wie die Jungdarsteller, die vermutlich auch von Malick handverlesen wurden.

Sie alle haben eines gemeinsam, sie sind äußerlich unscheinbar, sogar Brad Pitt. Ob es an den Klamotten und dem Bürstenhaarschnitt der 50er Jahre liegt, Inbegriff des Konservativen, dem, sogar beim Sexsymbol deutlich sichtbaren, fortschreitenden Alter, oder aber am Streben nach zunehmend seriöseren Stoffen, sei dahingestellt.

Der Regisseur möchte nicht, dass die Handlung von berühmten Gesichtern übertüncht wird, deswegen inszeniert er auch die Stars in seiner Schauspielergarde stets authentisch und für seine Geschichte vorteilhaft. Zwar sind sie präsent, aber nie so stark, dass man die Aussage aus den Augen verliert, sie alle fügen sich ein und werden letztendlich vom wahren Protagonisten überschattet, der Natur.

Die größte Stärke Malicks, ist wohl seine Beobachtungsgabe für das Unscheinbare, seine inszenatorische Schlichtheit. Ein Vater umarmt seinen Sohn, ein Sohn begutachtet seinen kleinen Bruder und ein Mann verwarnt einen anderen, da dieser zu spät zur Arbeit erscheint. All dies mögen Schlichtheiten sein, die jedoch durch die unglaublich sensible und wahrhaftige Art zum Phänomen werden.

Lediglich das Ende entgleitet sogar dem hervorragenden Beobachter und Taktierer Malick.

Für einen Moment rutscht er vom Drahtseil, dass Kitsch und authentische Emotion voneinander trennt und gleitet ab, in sakral anmutenden Neo-Kitsch.

Aber wie soll man auch eine Katharsis des Lebens visualisieren?

Johannes Scholten

FAZIT Ein Film, der noch lange nachhallt und mehr Bilder im Kopf entstehen lässt, als auf der Leinwand zu sehen sind. Es ist, als betrachte man einen Eisberg, die Spitze ist das, was jeder sehen kann, der Rest bleibt der Fantasie überlassen.

 

 

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Veröffentlicht am 13. Juli 2011, in German Reviews. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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